Wie kann Inklusion in einer Kunstgalerie gelingen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des letzten Online-Stammtischs, bei dem die Kuratorin Jasmin Leonhartsberger Einblicke in ihre Arbeit in der 44er-Galerie in Leonding gab. Anhand der Gruppenausstellung Come In zeigte sie, wie Inklusion nicht nur Thema einer Ausstellung sein kann, sondern auch deren Gestaltung, Vermittlung und Besucher_innen-Erfahrung prägt.

Die 44er-Galerie als Ort für zeitgenössische Kunst
Die 44er-Galerie befindet sich im historischen 44er-Haus am Stadtplatz von Leonding, einem rund 200 Jahre alten Gebäude, das ursprünglich als Schule genutzt wurde. Seit vielen Jahren ist dort eine Galerie für zeitgenössische Kunst untergebracht, die heute Teil der KUVA (Kultur- und Veranstaltungsmanagement Leonding) ist.
Seit 2017 leitet Jasmin die Galerie und kuratiert jährlich mehrere Ausstellungen mit einem Schwerpunkt auf regionalen Kunstschaffenden. Seit 2020 verfolgt sie zudem das Ziel, regelmäßig inklusive Ausstellungen umzusetzen und dabei unterschiedliche Zugänge zu Inklusion auszuprobieren und weiterzuentwickeln.
„Come In“ – Inklusion als Ausstellungsthema
Infos: Inklusion und gleichberechtigte Teilhabe im Blick der Leondinger Kunstschaffenden.
Die Gruppenausstellung „COME IN“ widmet sich von 30.8. bis 25.10.2025 der Inklusion als gleichberechtigtes Miteinander. Leondinger Kunstschaffende zeigen ihre künstlerische Perspektive in einer kuratierten Gruppenausstellung in der 44er Galerie. Die Vielfalt des künstlerischen Ausdrucks, der Medien und Techniken spiegelt die Vielfalt in unserer Gesellschaft wider. Offenheit, Diversität und Miteinander stehen im Fokus. Die Vernissage findet am 29.8. um 19:00 statt.
Teilnehmende Künstler:innen: Daniella Duftner-Plakolb, Dieter Enzenberger, Walter Gschwandtner, Robert Hübner, Renate Kaiser, Johanna Klement, Georgina Krausz, Linda Luse, Veronika Merl, Werner Miksch, José Pozo, Beate Praxmarer, Elke Schoder-Fessler, Ramona von Bassewitz & Jürgen Wagner
Kuration: Jasmin Leonhartsberger
Veranstalter: KUVA GmbH
Die Ausstellung Come In entstand anlässlich des 50-jährigen Stadtjubiläums von Leonding und richtete sich ausschließlich an Leondinger Künstler_innen.Besonders interessant war dabei die Vielfalt der künstlerischen Zugänge: Von klassischen Bildwerken bis hin zu haptischen und interaktiven Installationen wurde das Thema Inklusion aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
Ein Beispiel war die Arbeit „Berühre mich, aber greif mich nicht an“ von Georgina Krausz. Die Künstlerin griff die englische Redewendung „Come in“ als Einladung zum Hereinkommen und Teilhaben auf. Gleichzeitig thematisierte sie die Ambivalenz von Nähe, Berührung und Grenzen. Die Arbeit bestand aus berührbaren Epoxidharz-Elementen, die an Brailleschrift erinnerten und bewusst zur haptischen Auseinandersetzung einluden.
Inklusion in der Ausstellungsgestaltung
Ein zentraler Gedanke der Ausstellung war, dass Inklusion nicht nur in den Kunstwerken sichtbar sein sollte, sondern auch in der Art, wie Besucher_innen die Ausstellung erleben.
Zu den umgesetzten Maßnahmen gehörten:
- Ausstellungstexte sowohl in Standardsprache als auch in Einfacher Sprache
- Gleichwertige Präsentation beider Textversionen auf Augenhöhe
- Zusätzliche Werkbeschreibungen in Einfacher Sprache
- Größere Schriftgrößen für bessere Lesbarkeit
- Niedrigere Hängung der Kunstwerke für bessere Zugänglichkeit
- Positive Kennzeichnungssysteme mit Symbolen für „ansehen“ und „berühren“
- Bewusste Einbindung der Künstler_innen in den gesamten inklusiven Gestaltungsprozess
Besonders bemerkenswert war die Beobachtung, dass die Versionen in Standardsprache und Einfacher Sprache nahezu gleich häufig genutzt wurden. Dies unterstreicht, dass leicht verständliche Informationen vielen Besucher_innen schätzen.
Zusammenarbeit mit Künstler_innen
Ein wiederkehrendes Thema der Diskussion war die Zusammenarbeit mit den beteiligten Künstler_innen. Die Erfahrung zeigte, dass viele Kunstschaffende grundsätzlich offen für inklusive Ansätze sind, wenn sie frühzeitig in den Prozess eingebunden werden.
Einige Künstler_innen lieferten bereits sehr zugängliche Texte, andere brauchten mehr Unterstützung bei der Übersetzung ihrer Inhalte in Einfache Sprache. Deutlich wurde jedoch auch, dass inklusive Ausstellungen einen höheren organisatorischen Aufwand mit sich bringen. Die Abstimmung, Kommunikation und Vermittlungsarbeit benötigen zusätzliche Zeit und Ressourcen.
Fotos aus der Ausstellung (Link zur Instagram Seite KUVA Leonding)
Berühren erlaubt? Chancen und Herausforderungen
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Frage, wie mit berührbaren Objekten umgegangen werden kann.
Jasmin berichtete, dass die größte Herausforderung oft darin besteht, Besucher_innen klar zu vermitteln, welche Werke berührt werden dürfen und welche nicht. Sobald einzelne Objekte zum Berühren freigegeben werden, entsteht häufig die Erwartung, dass dies für alle Werke gilt.
Als hilfreiche Strategien wurden genannt:
- Klare Informationen bereits am Eingang
- Positive Formulierungen statt Verbote
- Visuelle Kennzeichnungen direkt bei den Objekten
- Gespräche mit Künstler_innen über mögliche Zugänge
Positive Resonanz und Ausblick
Die Ausstellung Come In wurde mit rund 349 Besucher_innen deutlich stärker besucht als der Durchschnitt der Galerie. Besonders erfreulich war, dass viele Besucher_innen gezielt wegen des inklusiven Schwerpunkts kamen.
Für die kommenden Jahre plant Jasmin weitere inklusive Projekte. Im Gespräch ist unter anderem eine Kooperation mit dem Diakoniewerk Gallneukirchen, bei der Arbeiten von Künstler_innen mit und ohne Behinderung bewusst miteinander in Dialog treten sollen.
